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Flugzeug Reportagen

Europa in 72 Stunden

Rush-Hour am Himmel

Flughafen Frankfurt. Im „Flight Operations Center“ der Lufthansa treffen sich die beiden Piloten Susanne Hertneck (1. Offizier) und Ulrich Pade (Flugkapitän) heute zum ersten Mal. Sie werden in den nächsten drei Tagen gemeinsam eine Boeing 737 kreuz und quer durch Europa fliegen. In genau 70 Minuten sollen sie bereits in der Luft sein.

Insgesamt zehn Flüge in drei Tagen, vier Starts und vier Landungen täglich: Ein strammes Programm für die beiden Piloten, die speziell für die Flugzeugtypen der Kurzstrecke ausgebildet wurden.
Sie sollen von Frankfurt nach Paris fliegen. Dann zurück nach Frankfurt. Von dort nach Bilbao in Spanien. Und wieder nach Frankfurt. Dann nach Genf, Graz und Turin, jeweils mit Rückreise nach Frankfurt.

Nur selten kennen sich die zwei Piloten und die vier Flugbegleiter, die drei Tage lang ein Team sein werden. Nach der 72 Stunden Tour durch Europa, haben sie 48 Stunden frei. Nach dieser Ruhezeit geht es weiter, zum nächsten so genannten „Umlauf“, für die die Besatzung immer wieder neu zusammengestellt wird. 13.000 Flugbegleiter und 3.300 Piloten arbeiten für die Lufthansa.

Das hat System: Aus Sicherheitsgründen werde die Teams neu zusammengestellt. Kennen sich zwei Piloten zu gut, könnten sich Fehler oder Nachlässigkeiten einschleichen - dies oder jenes hat der Kollege sicherlich schon wie immer erledigt….

8500 Kilometer wird das Kurzstreckenteam in den drei Tagen zurücklegen. Immer wieder gibt es kritische Flugphasen, die auch gegen Mitternacht noch volle Konzentration erfordern: Zielflughäfen mit Bauarbeiten, schlechtes Wetter oder dichter Flugverkehr. Wechselnde Daten über Passagierauslastung, Frachtzuladung, Flugstrecke oder Wetter: all dies sind wichtige Grundlagen, um für jede Strecke den Kerosinbedarf zu berechnen. Dazu kommt zähes Verhandeln mit den Fluglotsen, um unterwegs im Himmel über Europa doch noch eine bessere Route zu erhalten, um die Verspätung wieder aufzuholen.

Stress hat auch die 4-köpfige Kabinencrew unter der Leitung Purserette Silvie Rosenhahn, die täglich auch nach zwölf Stunden Einsatz immer die Ruhe zu bewahren….

Die ProSieben Reportage hatte die sehr seltene Gelegenheit, die Crew mit jeweils einem Kamerateam im Cockpit und einem in der Kabine drei Tage lang nonstop zu begleiten.
Nach den verschärften Sicherheitsauflagen des Luftfahrt-Bundesamtes fürs Cockpit, ist dies heute so nicht mehr möglich.